Welche Fotografie muss dem Fotografen unheimlich schwergefallen sein?
Mongolische Gefangene in einer Kiste - 1913 - Stéphane Passet*
Diese Fotografie erschien erstmals im Jahr 1922 im Magazin National Geographic. Die Frau in der Kiste wurde zum Tode verurteilt. Sie wird so lange in dieser Kiste bleiben, bis sie verhungert oder verdurstet ist.
Die Schalen auf dem Boden neben ihr wurden hin und wieder mit Wasser oder Nahrung gefüllt. Das rettete nicht ihr Leben, es zögerte nur den Tod heraus. Die Kiste wird ihr Sarg sein.
Der Fotograf Stéphane Passet war im Auftrag des Pariser Millionärs Albert Kahn unterwegs, um die kulturellen Traditionen und Bräuche in jedem Winkel der Erde zu fotografieren.
Einer dieser Fotografen war Stéphane Passet. Er sollte dokumentieren, nicht eingreifen. Hätte er die Frau befreit, wäre das ein Verstoß gegen eine der wichtigsten Richtlinien der Anthropologen gewesen.
Die Echtheit der Fotografie ist unbestritten. Als zweifelhaft gilt jedoch der angebliche Grund für die Hinrichtung der jungen Frau. Laut National Geographic sei die Frau als Strafe für einen Ehebruch zum Hungertod verurteilt worden.
*Diese Fotografie ist natürlich bekannt und häufig wird sie Albert Kahn persönlich zugeschrieben. Das ist allerdings falsch. Der echte Fotograf ist Stéphane Passet, der lediglich im Auftrag von Albert Kahn die Mongolei bereiste.